Calenberger Autorenkreis

      

Berichte zu den vergangenen Lesungen im Jahr 2018

(die neuesten Berichte stehen am Anfang)


Mit Max Frisch ist man nie am Ende!

Am Sonntag, den 13. Mai 2018 stellte Cornelia Poser  im Heimatmuseum in Linderte ihren neuen Vortrag vor: "MEIN MAX FRISCH"

Volker Weidermann: "Mit Max Frisch ist man nie am Ende. Das ist der Zauber seines Werkes. Er hat sich immer wieder neu erfunden, hat die Beweglichkeit seines Denkens, die Zweifel an sich selbst in seine besten Bücher immer mit hineingeschrieben. Das hält sie lebendig. Das macht sie modern. Max Frisch ist bis heute einer der modernsten Autoren der deutschsprachigen Literatur geblieben."

Wer kennt seinen Namen nicht? Wer hat nicht Andorra oder Biedermann und die Brandstifter in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Theater gesehen? Cornelia Poser stellte dem Publikium im Heimatmuseum in Linderte ihren ganz persönlichen Max Frisch vor. Sie berichtete unter anderem, wie dieser Autor ihr jugendliches Denken vor fünfzig Jahren geprägt hat. Sie schilderte seinen Werdegang vom Journalisten der Neuen Züricher Zeitung zum weltberühmten Autor der Romane Stiller, Homo Faber, Mein Name sei Gantenbein, auf die sie besonders einging. Sie fasste die Themen und Inhalte dieser Romane zusammen, las Ausschnitte daraus und ließ Max Frisch durch seine Tagebücher und seine autobiografische Erzählung Montauk lebendig werden.


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Im Norden der Grafschaft Ruppin...

Am Sonntag, den 15. April 2018 fand eine szenische Lesung des mit  Dialogen aus dem Roman von Theodor Fontane "Der Stechlin" im Kunstkreis Laatzen statt.

...hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin, und noch darüber hinaus, eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar alten Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung. Einer der Seen , die diese Seenkette bilden, heißt der Stechlin...

So beginnt die Erzählung in der wunderbar ruhigen Sprache Theodor Fontanes. Wir Calenberger Autoren lasen an diesem Nachmittag - und alle waren dabei - typische und kurzweilige Dialoge zwischen Dubslav von Stechlin und seinen ihn umgebenden Freunden und Verwandten.  Das Publikum amüsierte sich und hörte sehr interessiert zu.

Impressionen von der Lesung

Friedrich Pape las die verbindenen Texte

Monika Gorbuschin begrüßte das Publikum

Dubslav v. Stechlin und Engelke

Dubslav v. Stechlin und Graf Barby

Dubslav v. Stechlin und Pastor Lorenzen

Dubslav v. Stechlin und seine Schwester


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Medizynische Betrachtungen 

Am Sonntag, den 11. März 2018 lasen Dr. Dietmar Weiß vom Kunstkreis Laatzen und Friedrich Pape im Heimatmuseum in Linderte eigene Werke vor.

Dr. Dietmar Weiß, ehemaliger Landarzt in Gronau bei Alfeld, las trotz Gallenkollik (auch Ärzte können mal krank werden!), ließ uns an seinen "Medizynischen Betrach-tungen" teilhaben und Friedrich Pape gab mit seinen Kurzge-schichten satirische "Kommentare aus der Sicht des Patienten" dazu. Zusammen ergab alles eine wunder-bar abwechslungsreiche Mischung, bei der sich die Zuhörer schmun-zelnd und manchmal kopfschüttelnd amüsieren konnten.

Dr. Dietmar Weiß las aus seinen Erinnerungen nicht nur über die Entwicklung der medizinischen Versorgung in den Nachkriegsjahren, als Entscheidungen noch nach dem gesunden Menschenverstand getroffen wurden, sondern berichtete auch kritisch über die Arbeitsbelastung des Arztes, wenn er seinen Beruf denn erst nimmt, über Budgetierung, Zuzahlungen und den Sinn oder Unsinn von Vorsorgeuntersuchungen. In Friedrich Papes erster Kurzeschichte ging es um die Verunstaltung des Gesichtes durch das Alter oder den Plastischen Chirurgen, je nachdem von welcher Seite man es betrachtet. Ebenfalls durften wir einem Pseudologen lauschen, der eigentlich ein Haarschneider war und erfahren, woher Schluckauf kommen kann.


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Irmgard Keun: Was ist der Ernst des Lebens? 

Am Samstag, d. 10. März 2018 las Cornelia Poser beim sogenannten Frauenfrühstück in Barsinghausen noch einmal aus dem Leben und Werk der Schriftstellerin Irmgard Keun

Fünfzig sehr interessierte Frauen lauschten nach ihrem Frühstück dem Vortrag von Cornelia Poser, die noch einmal über die Höhen und Tiefen der Autorin sprach und Auszüge aus dem "Kunstseidenen Mädchen" las, aber auch Abschnitte aus dem Buch "Das Mädchen mit dem die Kinder nicht verkehren durften", sowie aus Irmgard Keuns wohl wichtigstem Roman "Nach Mitternacht". Der hinterher angebotene Büchertisch der örtlichen Buchhandlung wurde komplett leergekauft. Und so kann man nur Hoffen, dass dieser Vortrag dazu führt, dass die Romane von Irmgard Keun wieder in aller Munde sind.


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Die Lyriker Georg Heym und Georg Trakl

Am Montag, den 26. Februar 2018 waren wir wieder zu Gast im Literaturkreis der Margaretengemeinde in Gehrden. Friedrich Pape stellte dort Leben und Werk der beiden Lyriker Georg Trakl und Georg Heym vor. 

Georg Trakel und Georg Heym, beide 1887 geboren, der eine 1912 bei dem Versuch, einen Freund zu retten, im Eis des Wannsees eingebrochen und gestorben, der andere 1914 zu Beginn des 1. Weltkrieges durch die grausamen Erlebnisse im Feldlazarett in den Selbstmord getrieben, gehörten zu den wichtigsten Lyrikern des frühen Expressionismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Fritz Pape schilderte in seinem zweiteiligen Vortrag beider kurze Leben und trug ihre Gedichte eindrucksvoll vor.

 


Georg Heym
Herbst

Die Faune treten aus den Wäldern alle,
Des Herbstes Chor. Ein ungeheurer Kranz.
Die Hände haltend, springen sie zum Schalle
Der Widderhörner froh zu Tal im Tanz.

Der Lenden Felle schüttern von dem Sturze,
Die weiß und schwarz wie Ziegenvlies gefleckt.
Der starke Nacken stößt empor das kurze
Gehörn, das sich aus rotem Weinlaub streckt.

Die Hufe schallen, die vom Horne starken.
Den Thyrsus haun sie auf die Felsen laut.
Der Paian tönt in die besonnten Marken,
Der Brustkorb bläht mit zottig schwarzer Haut.

Des Waldes Tiere fliehen vor dem Lärme
In Scharen flüchtig her und langem Sprung.
Um ihre Stirne fliegen Falterschwärme,
Berauscht von ihrer Kränze Duft und Trunk.

Sie nahn dem Bache, der von Schilf umzogen
Durch Wiesen rauscht. Das Röhricht läßt sie ein.
Sie springen mit den Hufen in die Wogen
Und baden sich vom Schlamm der Wälder rein.

Das Schilfrohr tönt vom Munde der Dryaden,
Die auf den Weiden wohnen im Geäst.
Sie schaun herauf. Ihr Rücken glänzt vom Baden
Wie Leder braun und wie von Öl genäßt.


Georg Trakl
Geistliche Dämmerung

Stille begegnet am Saum des Waldes
Ein dunkles Wild;
Am Hügel endet leise der Abendwind,

Verstummt die Klage der Amsel,
Und die sanften Flöten des Herbstes
Schweigen im Rohr.

Auf schwarzer Wolke
Befährst du trunken von Mohn
Den nächtigen Weiher,

Den Sternenhimmel.
Immer tönt der Schwester mondene Stimme
Durch die geistliche Nacht.


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